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Schulen » Beispiele für Projektarbeiten "Entwicklung eines Chemiespieles zum Thema Nachhaltigkeit" von Frieder Pfeiffer und Simon Spring, Institut Dr. Flad |
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Entwicklung eines Chemiespieles zum Thema Nachhaltigkeit.
Der Begriff Nachhaltigkeit bedeutet eine zukunftsfähige, umweltfreundliche und wirtschaftliche Entwicklung auf langem Zeitraum zu haben, ohne negative Auswirkungen auf spätere Generationen. Dies erfordert ein harmonisches Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Menschen, einer funktionierenden Wirtschaft und einer gesunden Umwelt. Um ein solches Gleichgewicht zu erreichen, bedarf es weltweiter Zusammenarbeit. So gab es schon einige große Weltkonferenzen: 1972: Stockholmer Konferenz für menschliche Umwelt Bei diesen Zusammentreffen ging es hauptsächlich um die Verminderung der Treibhausgase (CO2, CH4, N2O, FCKW) und den daraus resultierenden Treibhauseffekt unter Beachtung der Ökonomie, Ökologie und Gerechtigkeit. Da diese Verminderung nicht auf einmal stattfinden kann, sondern über einen längeren Zeitraum, muss heute schon nach Lösungen gesucht werden. Diese müssen auch verwirklicht werden, sonst könnte dies für uns und unsere Umwelt katastrophale Auswirkungen haben (z.B. Anstieg des Meeresspiegels, Naturkatastrophen nehmen zu). Ein sehr wichtiger Punkt ist die Ersetzung von fossilen Brennstoffen (z.B. Kohle, Gas) durch erneuerbare Energiequellen (z.B. Solar-, Wind-, Wasserkraft, Bioenergie). Durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wird derzeit noch der größte Teil an Energie erzeugt. Bei der Verbrennung werden große Mengen an CO2 in die Atmosphäre emittiert. Hinzu kommt, dass die Quellen an fossilen Brennstoffen endlich sind (bei Erdgas und Erdöl schätzt man, dass der Vorrat noch für ca. 40 Jahre reicht). Atomkraftwerke arbeiten zwar CO2-frei, sind aber sehr teuer, die Ressourcen an Uran und Plutonium sind endlich und zudem stellen sie eine große Gefahr für den Menschen und die Umwelt dar (Supergau, radioaktiver Abfall). Wasserkraftwerke, Biogasanlagen, Solarzellen und Windräder erzeugen Energie auf CO2-freiem bzw. -neutralem Weg und die Ressourcen sind unendlich. Auch wenn sie jetzt noch in der Anschaffung teuer sind, wird sich der Preis rentieren. Spätestens wenn die fossilen Brennstoffe aufgebraucht sind, wird ein Umsteigen auf erneuerbare Energien unumgänglich sein. Deshalb sind erneuerbare Energiequellen langfristig gesehen die günstigste und umweltschonendste Methode der Energieerzeugung und ein wichtiger Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung. 1)
Um kein Spiel zu kopieren, schauten wir im Internet und in Spielwarengeschäften nach Spielen zum Thema Nachhaltigkeit. Wir fanden ausschließlich Kinderspiele zum Thema Umwelt und nur ein Spiel zum Thema Nachhaltigkeit: "Winds of Change". Im Internet stießen wir auf eine Seite, die Spiele zur Nachhaltigkeit zum online Spielen anbietet:
Die Entwicklung hatte für uns drei Hauptphasen:
Zuerst suchten wir einen zentralen und gleichzeitig einfachen Leitgedanken: Was ist allgemein bekannt, was ist fesselnd genug, um eine Spiel am Laufen zu halten und einfach genug, um ohne große Erklärungen von vielen sofort verstanden zu werden? Schon bald hatten wir unseren Favoriten: Die Verminderung des CO2-Ausstoßes und gleichzeitiger Energieerhalt durch den Einsatz erneuerbarer Energiequellen. Das ist ein Dauerthema in den Medien und sorgt für Aktionismus in der Politik. So konnten wir uns sicher sein, dass dieses Thema der Öffentlichkeit allgemein bekannt ist. Gleichzeitig gibt es den Spielern einen Leitgedanken in den Kopf, der sie von Anfang bis Ende des Spiels führt. Einen Leitgedanken, für den es sich nicht nur zu spielen lohnt, sondern auch danach zu handeln.
Es gibt viele Spielkonzepte: Kartenspiele, Würfelspiele, Strategiespiele, Brettspiele, Geländespiele, Glücksspiele, Bewegungsspiele, Quizspiele, Sportspiele, Geschicklichkeitsspiele, Computerspiele, usw. Wir haben uns schon bald für ein Brettspiel entschieden. Das macht uns am meisten Spaß, mit einer richtig tollen Ausstattung, wo man schon beim Hinschauen Lust darauf bekommt, es zu spielen. Die Spielhandlung sollte auf der Erde sein, daher war eine Weltkarte als Spielplan naheliegend. Der Dreh- und Angelpunkt sollte die CO2-Konzentration sein. Gewonnen hat, wer seine CO2-Werte unter einen bestimmten Wert senken kann, verloren, wer drüber kommt. Das Spiel sollte für jeden leicht verständlich und zugänglich sein. Deswegen entschieden wir uns für fiktive und gegen reale Daten.
Wir waren gespannt: Würden unsere Ideen auch den ersten Test überstehen? Die Enttäuschung war groß. Das Spiel funktionierte nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Das Spiel musste überarbeitet werden. Wir machten uns an die Arbeit und behielten einiges Gutes bei, anderes ließen wir fallen. Es stellte sich heraus, dass die einzelnen Spielvorgänge noch nicht aufeinander abgestimmt waren (z.B. Rohstofferhalt, CO2- Abbau). Wir merkten, wie schwierig es ist, eine ganz einfache Mechanik zu finden, die gleichzeitig aber nicht langweilig sein durfte.
... führte zum Erfolg. Wir stellten beim Probespielen schnell fest, dass es jetzt funktionierte. Das Spiel lief, die Spieler hatten klare Ziele, die Handlungsmöglichkeiten waren plausibel und es blieb spannend bis zum Schluss.
Die Handlung spielt auf der Erde, jeder Spieler ist für einen Kontinent verantwortlich. Beim Start werden die Kontinente von Kohlekraftwerken, Erdölkraftwerken und einem Atomkraftwerk mit Energie versorgt. Ziel ist es, diese Kraftwerke durch erneuerbare Energien zu ersetzen, aber trotzdem den Energiebedarf des Kontinents aufrecht zu erhalten (und damit den CO2-Ausstoß zu reduzieren bzw. die Gefahr für den Menschen und die Umwelt einzuschränken). Da aber nicht nur Kraftwerke CO2 produzieren, sondern auch Autos, die Industrie und Haushalte, muss man durch den Einsatz von Rohstoffen neue Technologien entwickeln, um diesen Ausstoß verhindern. Hat man diese zwei Bedingungen erfüllt, hat man gewonnen. Erneuerbare Energieträger erschließt man durch den Bau von Solarzellen, Windrädern, Bio- und Wasserkraftwerken. Die benötigten Rohstoffe erwirbt man durch Würfeln (Zufall) und Verhandlungsgeschick (Spielintelligenz). In dieser Spielphase ist die Interaktion der Spieler gefordert und strategisches Denken. Sobald man die richtigen Rohstoffe gesammelt hat, kann man erneuerbare Energieträger "bauen" und die "alten" Kraftwerke nach und nach ersetzen. Und da auch im richtigen Leben nicht alles nur eine Frage des eigenen Wollens und Handelns ist, haben auch wir mit den Ereigniskarten ein Schicksalselement eingebaut (z. B.: Eine deiner Biogasanlagen brennt durch einen technischen Effekt ab - Entferne eine Biogasanlage von deinem Kontinent.). Der Spieler, der zuerst alle "alten" Kraftwerke durch erneuerbare Energien ersetzt hat, hat gewonnen. Um Einzelheiten über den Spielverlauf und die Spielregeln zu erfahren, haben wir die Spielanleitung dem Anhang beigelegt.
Bevor wir das Spiel bauten, besuchten wir die Süddeutsche Spielemesse in Stuttgart, um uns Anregungen und Utensilien für die Spielgestaltung zu holen. Wir waren sehr enttäuscht, denn der Besuch brachte uns nicht weiter. Wir fanden nichts, was wir für den Spielbau verwenden konnten, noch bekamen wir hilfreiche Tipps. Wir entschieden das Spielbrett und die Spielfiguren aus Holz zu basteln. Zunächst fertigten wir eine Holzbox mit abnehmbarem Deckel an. Auf den Deckel und den Schachtelboden kam je eine Hälfte des Spielbretts.
Das Spielfeld ohne (links) und mit (Mitte und rechts) Spielfiguren.
Bei den Figuren mussten wir die Dimensionen festlegen, uns überlegen, wie z. B. ein Windrad aussehen und wie man es aus einfachen Rohmaterialen wie z. B. Holzstäbe oder Klötzchen herstellen könnte. Nachdem alles gesägt und geklebt wurde, mussten die Figuren und das Spielbrett noch bemalt werden. Wir entschieden uns mit Acrylfarbe zu malen. Wichtig war uns, dass die Figuren so authentisch wie möglich aussehen.
Anschließend wurden das Spielfeld und die Figuren noch mit Mattlack lackiert. Wir entschieden uns die Rohstoffe so real wie nur möglich zu gestalten. Deshalb nahmen wir z.B. Kristalle für Mineralien, Kieselsteine für Steine.
Zunächst stellten wir die Kriterien für unseren Spielnamen auf:
Zunächst dachten wir an einen Namen, der aus zwei unterschiedlichen Wörtern zusammensetzt ist. Wir bastelten den Namen "Emiglo" aus den Wörtern "Emissionen" und "Globus". Er gab unseren Leitgedanken wieder und passte auch zum Thema Nachhaltigkeit. Der Name hatte aber keinen schönen Klang. Wir verwarfen den Namen, durchforschten ein Fremdwörterbuch und stießen auf den Namen "Energeia". Dieser Name stammt aus dem griechischen und bedeutet " (...) Tätigkeit, Tatkraft, Bereitschaft zum Handeln (...) 2)". Dieser Name gefiel uns nicht nur vom Klang, sondern auch seine Bedeutung zeigte für uns in die richtige Richtung: die Betonung des Leitgedankens und dass Nachhaltigkeit Bereitschaft zum Handeln voraussetzt. Wir änderten ihn noch leicht ab, dass er noch besser und eigenständiger wurde, aber nicht seine Bedeutung verlor: "Energetica".
Um ein Spiel zu optimieren bedarf es vielen Testspielen, Testspieler, die nicht an der Entwicklung des Spiels beteiligt waren und deren ehrliche Kritik am Spiel. Dadurch kann das Spiel verbessert werden (z.B. merkten wir, dass unser Spiel für maximal vier Spieler ausgelegt ist (ursprünglich sechs)). An den ersten Tests nahmen wir noch teil und erklärten die Spielregeln. Um aber die Spielanleitung zu perfektionieren, beobachteten wir einige Spiele, an denen wir nicht teilnahmen. Die Spieler lasen sich die Spielregeln durch und Unklarheiten konnten sofort verbessert werden. Nach den Testspielen mussten die Spieler einen Fragebogen zum Spiel ausfüllen. Durch die Antworten wussten wir, ob wir unsere Ziele erreicht hatten.
Wie sich bei der Auswertung der Fragebögen herausstellte, machte das Spiel allen Spaß:
Unser Ziel, ein Spiel zur Nachhaltigkeit zu entwickeln, bei dem man nicht nur Spaß hat, sondern auch einen wesentlichen Gedanken zum nachhaltigen Wirtschaften vermittelt, haben wir unserer Meinung nach erreicht. Wir haben gelernt, wie wichtig es ist zuerst ein Konzept theoretisch zu entwickeln, es in der Praxis zu testen, ob es funktioniert, und erst dann ihm die endgültige Form zu geben. D. h. das zuerst der Inhalt klar sein muss und dann die Form. Überraschend war für uns, wie viel Zeit letztlich die Umsetzung erforderte. Das Basteln, die Fertigung der Dokumentation und der Abstimmungsprozess.
Spielanleitung Fußnoten 1) www.stern.de , www.oekosystem-erde.de , www.umweltschutz-news.de , 08.01.2008 2) DROSDOWSKI, 1982, Seite 217
>> Diese Projektarbeit komplett downloaden / ausdrucken (in PDF)
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